Die Obere Kalle bei Immenstadt/Ratholz

Ein Tag auf der Oberen Kalle bei Immenstadt. Auf über 1200 Metern Höhe  scheint die Welt noch in Ordnung zu sein – ohne Luxus, ohne Zentralheizung und manchmal sogar ohne Strom. Bernhard Gomm hat sich hier einen Traum erfüllt.

Es sind nur wenige Höhenmeter Unterschied – und doch sind es zwei Welten. Auf der Oberen Kalle, einer urigen Hütte auf 1250 Metern bei Immenstadt/Ratholz, ist es ruhig und idyllisch. Die Sonne bringt den Schnee zum Glitzern, die Gäste sitzen eingemummelt in Decken auf der Terrasse und genießen die Sonnenstrahlen. Etwa 100 Höhenmeter weiter unten liegt die Bergwelt Alpsee. Sie verspricht mit Rodelstrecke, Alpsee Coaster und Kletterwald eine actionreiche Erlebniswelt für Jung und Alt. Von all dem Trubel ist auf der Oberen Kalle nichts zu spüren.

Bernhard Gomm, der Wirt der Oberen Kalle

Es ist bitterkalt an diesem Wochenende. Sibirische Luft bringt Minus 15 Grad ins Allgäu. Doch trotz klirrender Kälte und eisigem Wind, der über den Hang pfeift, lassen sich die Wanderer und Schneeschuhgänger nicht von ihrem Bergerlebnis abbringen. Und schon gar nicht von den leckeren Kässpatzen. Bernhard Gomm, der Wirt, ist weit bekannt für seine Hüttenspezialität. Doch das Essen will wohl verdient sein.

Der Winterwanderweg führt ab dem Parkplatz beim Alpsee Coaster hinauf zur Hütte. Der Schweiß rinnt beim knackigen Anstieg schnell in Strömen, doch der Blick in die Winterlandschaft entlohnt für die Anstrengung. An den Felswänden wachsen Eiszapfen wie Kristalle, die Wälder sind von weißem Puderzucker bestäubt – es herrscht eine winterliche Stille. Nach eineinhalb Stunden Anstieg erreicht der Wanderer die Obere Kalle, die beinahe im Schnee zu versinken scheint.

Die Küche in der Oberen Kalle

Die über 100 Jahre alte Holzhütte liegt auf einer Anhöhe im Naturpark Nagelfluhkette. Der Blick schweift über die verschneite Winterlandschaft bis ins Tal. Ein Brummen durchbricht die Stille:  Hüttenwirt Bernhard Gomm düst mit einem Schneemobil um die Ecke, grinsend wie ein Lausbub. Das Gefährt ist im Winter das einzige Fortbewegungsmittel und garantiert sichtlich Fahrspaß. Für die Neuankömmlinge auf der Hütte gibt es sogleich einen Chili-Schnaps. Der heizt richtig ein, wenn das die wohlige Wärme der Stube nicht schon getan hat.

(Die gesamte Reportage können Sie in der Print-Ausgabe Winter 2018/19 lesen.)

Text   Anja Worschech