Josef Schneid traf vor über 30 Jahren eine damals abenteuerliche Entscheidung: Er krempelte seinen Landwirtschaftsbetrieb um und richtete sich ausschließlich nach Demeter-Vorgaben. In seinem Sohn Andreas hat er einen Verbündeten gefunden…

Am Anfang waren mitunter verwunderte Blicke und die Frage: „Hosch scho ghört, was der Schneid Josef macht?“ Man schreibt das Jahr 1988, und der Schneid Josef ist Landwirt im Oberallgäuer Haldenwang. Er bewirtschaftet den Wannenhof, gelegen auf 860 Meter Höhe. Ein Ort mit Tradition, denn seit vielen Jahren wird der Hofinnerhalb der Familie Schneid von Generation zu Generation weitergegeben. Man kennt sich im Dorf und unter Landwirten sowieso.

Na ja, und plötzlich geht dieser Schneid Josef einen etwas anderen Weg als all die Jahre zuvor – und einen anderen Weg als die Landwirtskollegen im Umkreis. Es ist vermutlich dieser Satz von Walter Heim, einem Bio-Pionier aus dem Westallgäu, der Schneid den letzten, den entscheidenden Anstoß zur Veränderung gibt: „In der ­Natur ist ­alles sinnvoll und begründet, denn sie ist ­weisheitsvolle Schöpfung, ist vollkommen und hat immer Recht. Alles ist ­wesentlich und bedeutungsvoll. Gegen die ­Weisheit der Natur zu handeln ist Irrsinn.“

Jedenfalls entscheidet sich der Haldenwanger Landwirt, seinen Hof mit 30 Hektar Grünland künftig nach den Richtlinien des Demeter-Verbandes zu bewirtschaften. Er ist überzeugt von dieser Art der Landwirtschaft, weil er Walter Heim beim einen oder anderen Vortrag zugehört hat. Und weil er dessen Hof im Westallgäu mehrere Besuche abstattet und sich alles ganz genau angeschaut. Noch heute erinnert er sich: „Der besaß eine große Blumenweise, die er mit der Sense bearbeitete.“ So etwas imponierte Josef Schneid schon damals, und es bestärkte ihn, seinen Weg zu gehen.

Man kennt das ja aus anderen Bereichen: Pioniere sind Leute, die eine Menge an Mut benötigen. Denn ein neuer Weg ist schon mal mit unvorhersehbaren Hindernissen gepflastert. Lassen wir an dieser Stelle Josef Schneids Sohn Andreas zu Wort kommen, der gesteht: „Wenn man nach Demeter-Richtlinien handelt, ist vieles erst einmal Mehrarbeit. Und man muss bei einigem mehr Geld investieren. Das ist nicht immer einfach.“

Mehr Aufwand, mehr Ausgaben, und der Landwirt bekommt von einer Kuh weniger Milch, weil er auf das sonst übliche Kraftfutter verzichtet. Klingt zunächst alles nach einem ökonomischen No-Go, weshalb die Frage nach dem Warum auf der Hand liegt. Die Antwort haben Vater und Sohn im Zitat vom anfangs erwähnten Walter Heim gefunden.
(Die gesamte Reportage können Sie in der Print-Ausgabe Sommer 2019 lesen.)
Text: Freddy Schissler