Vernunft oder Herzblut?

Mit dem Alter, hat unlängst ein Bekannter unserem Kolumnisten Freddy Schissler Mut zugesprochen, komme die Weisheit. Gut, auch kleine Wehwehchen nähmen zu, meinte er. Na ja, und so leistungsfähig wie früher sei man mit fortschreitender Lebensdauer eben auch nicht mehr. Aber wie gesagt: Die Weisheit, die wachse von Tag zu Tag. Von wegen…

Mit einem Packen alter Fotos saß ich unlängst wieder einmal an meinem Schreibtisch und grübelte. Soll ich es wagen oder eher nicht? Diese Frage stelle ich schon seit einem dreiviertel Jahr, ohne wirklich klare Antwort gefunden zu haben.
Also, die Sache ist die. Vor eben genau einem dreiviertel Jahr fragte mich ein Freund, ob ich nicht Lust hätte, etwas für meine Fitness zu tun und mir ein bisschen Spaß zu gönnen. Er hätte da eine lustige Truppe beisammen, die sich einmal in der Woche am Abend trifft: zum Fußballspielen. Locker leicht, schob er sofort hinterher, ohne jeglichen Leistungsdruck. Kicken just for fun. Man suche Techniker, weniger die Kämpfer und Schleifer.
Meine Augen leuchteten, und wenn Sie diesen Packen alter Fotos sehen würden, dann wüssten Sie weshalb: Sie dokumentieren mein Leben in jungen Jahren – mal im dunklen Fußballdress, mal im hellen. Mal mit der Nummer fünf auf dem Rücken, mal mit der Zehn. Für die Fußball-Laien unter Ihnen: Das sind jene Positionen in der Welt der populärsten Sportart, auf die man nicht unbedingt die Kämpfer und Schleifer stellt.
Nun ist das so bei mir, dass ich nicht mehr der Allerjüngste bin. Ü50, wenn Sie’s genau wissen wollen. Und da ist die Frage einfach: Rennt man in diesem Alter nochmals einem Ball hinterher? Was meint das Herz dazu? Was die Muskulatur? Was die Sehnen? Sollte die gut ausgeprägte Altersweisheit nicht „Nein“ dazu sagen?
So ein Winter-Fußballabend in der Halle kann etwas wirklich Tolles sein. Ein bisschen Sport treiben, ein bisschen Plaudern mit Gleichaltrigen, danach ein bisschen in der Kneipe sitzen und ein Bierchen trinken. Ich habe mir vor wenigen Tagen neue Turnschuhe für die Halle gekauft, in der festen Absicht, demnächst meinen Freund anzurufen.
Ich werde es nicht tun. Ich habe auch wieder den Packen alter Fotos in die Schublade zurückgelegt. Ein anderer guter Freund hat unlängst die Einladung dieser Fußballtruppe angenommen. Nun ja, was soll ich sagen: Er wird dieser Tage an der gerissenen Achillessehne operiert.