Typisch Männer!

Unser Kolumnist Freddy Schissler hat von Freunden einen Gutschein bekommen, den er nun eingelöst hat. Keine leichte Angelegenheit. Er parkte sein Auto rund zehn Gehminuten vom Ziel entfernt. Weshalb? Er wollte sicher gehen, dass beim Zusammentreffen mit Bekannten er nicht mit seinem Vorhaben in Verbindung gebracht werden würde…

Ich hatte einen Gutschein für eine Thai-Massage (!) in der Hosentasche. Mir war, was ich bislang von Thai-Massagen wusste, ein bisschen mulmig, und glauben Sie mir: Freiwillig wäre ich dort nie hingegangen! Aber ein Präsent sollte man nicht verschmähen, sagte ich mir.
„Helzlich Willkommen“, begrüßte mich eine Frau Mitte dreißig.
„Zum elsten Mal hier?“, wollte die brünette Thailänderin wissen, die blaue Jeans trug und einen Wollpullover, der bis unters Kinn reichte. Ich war überrascht, antwortete aber schnell: „Ja ja, das ist das erste Mal für mich. Ich habe einen Gutschein bekommen.“
„Na, dann du lassen dich mal velwöhnen!“
Ich merkte, wie eine leichte Rötung mein Gesicht überzog. „Ziehen elst mal Socken aus“, sagte die Thailänderin. Ich blickte sie fragend an und begann dann, an meinem Hosenbund zu nesteln.
„Hi hi“, kommentierte die Masseurin meine ersten Handlungen und meinte: „Nur Socken ausziehen und Hosebeine hochziehen.“ Dann verschwand sie. Ich war irritiert. Kurze Zeit später kehrte sie zurück – mit einer Schüssel voll Wasser. Die stellte sie vor meine Füße und bat mich, sie in die Schüssel gleiten zu lassen. Dann massierte sie meine Zehen und lächelte.
Ich begann mich zu entspannen. Nach zehn Minuten war die Fußmassage zu Ende. Danach sollte ich es mir bäuchlings auf der Liege bequem machen. Ich entledigte mich meiner Socken, der Hose, des Hemds, des Unterhemds. Danach wollte ich die Unterhose ausziehen.
„Stopp“, unterbrach mich die schmunzelnde Masseurin in meinem Tatendrang, „Untelhose bitte anlassen. Hi hi hi.“
Ich ließ augenblicklich ab von meiner Unterhose und dachte mir: „OK, dann lege ich mich fürs erste mit der Unterhose auf die Liege.“
Die Thailänderin begann mit ihrer Arbeit. Ich wurde mit warmem Öl begossen und massiert – an Armen und Beinen. Dann ging es zum Nacken. Dort drückte die Dame ihre Daumen in meine Haut, als wolle sie vordringen ins Innere meines Körpers. Ich war mir nach einiger Zeit nicht mehr sicher, ob sie mit Zeigefinger und Daumen nicht schon die Oberfläche der Liege erreicht hatte. Ich verfiel augenblicklich in eine radikale Vollverspannung, die sich vom Kopf über die Schultern und den Rücken bis hinunter zum Becken erstreckte. Ich hatte das Gefühl, in einer Gipsschiene zu liegen, die jegliche Bewegung meiner Gliedmaßen verhinderte. Inklusive jener, die ich ursprünglich in Verdacht hatte, dass sie einer Entspannung zugeführt werden würden.
Plötzlich begann die Dame über mir, mit beiden Handkanten auf mich einzuschlagen. Hatte ich soeben das Splittern eines Knochens gehört? Wo nur war ich hier gelandet?
„Du sehl velspannt. Immer viel albeiten, odel?“
„Ähh, ja. Das tut übrigens ziemlich weh“, ächzte ich und versuchte, meinen Kopf zur Seite zu drehen und nach oben zu beugen. Plötzlich spürte ich einen Stich an der Halsaußenseite. Sofort ließ ich den Kopf wieder sinken.
„Du nix dlehen. Nix gut fül Wilbelsäule. Liebel velsuchen zu entspannen.“
„Komikerin“, schoss es mir durch den Kopf. Sie traktierte mich seit Minuten, quälte mich, peinigte mich und verlangte allen Ernstes von mir, mich zu entspannen. Nach einer Stunde war der Spuk vorbei. Ich hatte noch immer meine Unterhose an, das Öl auf meiner Haut war längst verdampft.

Als ich angekleidet in den Vorraum des Massagesalons gehumpelt war, reichte mir die Hausherrin eine Tasse mit Tee und meinte mit verschmitztem Blick:
„Hoffe, Massage hat dil gutgetan. Ein paal Männel manchmal enttäuscht, weil denken, das seien hiel Elotikmassage. Is abel bei mil seliöse Massage.“
Ich nippte am Tee, sah sie mit großen Augen an und meinte: „Ja ja, typisch Männer eben.“