Um Ruhe lässt es sich in diesem Museum schlecht bitten – schließlich sind es die Ausstellungsstücke selbst, die unablässig ticken, rattern, läuten und flöten. Die Rede ist vom Turmuhrenmuseum in Mindelheim. Etwa 50 Ausstellungsstücke zählt die erste und größte deutsche Sammlung. Warum die Turmuhren ihren angestammten Platz an und in Gebäuden räumen mussten? Die Ära der Mechanik war für die Turmuhren zu Ende gegangen und so hatten jahrhundertealte, meist handgeschmiedete Uhren moderner Technik zu weichen. Doch in der ehemaligen Silvesterkapelle und ihrem Turm haben sie ein neues Zuhause gefunden. Unter den Turmuhren findet sich etwa die barocke Konventuhr aus dem Jahre 1750, angefertigt von einem Füssener Klosterbruder. Oder eine astronomische Uhr, ein Nachbau. Ihre vier Zeiger geben unter anderem den Lauf der Sonne und des Mondes sowie ihre Stellung im Tierkreis an. Wer alle Exponate sehen möchte, kommt um die Turmbesteigung nicht herum. Nichts für schwache Nerven, das sei vorweggenommen. Ein extrem schmaler und niedriger, gemauerter Gang führt zur ersten Etage. Es folgen Holzstiegen, die mit zunehmender Höhe immer steiler werden. Kaum noch ein Fuß findet auf ihnen Platz. Aber es lohnt sich, denn im Turm schlummert eine Geschichte, die Reporterin Isabelle Reinhardt so schnell nicht mehr loslassen wird. Ein Mann montiert 1792 eine Uhr ab – während der Turm brennt. Das lässt erahnen, wie wertvoll die Museumsstücke damals waren und heute noch sind.

Öffnungszeiten: mittwochs und am letzten Sonntag im Monat, 14-17 Uhr, mit Führung
Gruppenführungen: nach Vereinbarung
Parken: ehemalige Silvesterkapelle, Hungerbachgasse 9, oder in der Georgenstraße

Fotos: Isabelle Reinhardt