Foto: Michael Monschau

Von Isabelle Reinhardt

Was einst eine einsturzgefährdete Ruine war, heilt heute die Seele von Urlaubern. Der denkmalgeschützte Landsitz in Wollmuths, nach einem alten Schlager benannt, lädt zur Auszeit inmitten der Natur ein – mit Rehen am Waldrand und einem See in direkter Nachbarschaft.

Foto: Michael Monschau

Die Balken biegen sich und sind kurz vor dem Zerbersten. Das alte Holz ächzt unter der Last des Daches. Ja, es scheint fast, als wolle es in der Mitte zusammensinken und in sich zerfallen. Krumm steht es da, das alte Allgäuer Bauernhaus. Der Zahn der Zeit nagt an ihm, will, dass es der Schwerkraft nachgibt, 500 Jahre haben ihre Spuren in Gebälk und Gemäuer gegraben. Und auch die Natur fordert ihren Tribut, nimmt sich zurück, was einst ihr gehörte. Bäume und Buschwerk ranken sich um die Ruine. Das Haus ist eingewachsen und schwer zugänglich.

So steht der alte Hof „Rocky Docky“ vor Sabine Fink, als sie ihn zum ersten Mal sieht. Liebe auf den ersten Blick? Nein. Da ist kein verborgener Glanz, der sich offenbart. Keine Aura die in den Bann zieht. Und doch fasziniert sie eines damals an dem heruntergekommenen Bauernhaus in Wollmuths (Gemeinde Waltenhofen, nahe dem Niedersonthofener See): Ruhe. Der Wald, der an das Grundstück grenzt, schluckt jegliches Röhren von Motoren. Die nächsten Nachbarn sind weit entfernt. Es herrscht absolute Stille. Friedvoll. Erholsam.

Foto: Michael Monschau

Diese Idylle gibt es auch heute noch. Vielleicht sogar noch mehr als damals. Wir stehen an diesem Nachmittag vor dem renovierten Gebäude, das sich inzwischen „Rocky Docky – Landsitz für die Seele“ nennt und eine entspannende Auszeit für Urlauber verspricht. Duschen im Schweinestall, kochen im Kuhstall, schlafen im Heustock: Das ist die heutige Raumverteilung übertragen auf das ursprüngliche Gebäude vor vielen hundert Jahren. Jeder Raum wurde mit viel Liebe eingerichtet. Da liegen weiße Felle auf den Bänken am Grundofen im Wohnzimmer. Ein uraltes Klavier aus dunklem Holz steht an der Wand neben der großen Wohnlandschaft mit Flachbild-Fernseher.

Foto: Michael Monschau

Besonderer Blickfang ist die komplett erhaltene, hunderte Jahre alte Holzdecke. Ein halbes Jahrtausend hat sie gekrümmt, doch die Statik ist einwandfrei. Getragen wird die Zimmerdecke von zwei massiven Holzpfeilern, die optisch den Wohn- vom Essbereich teilen. Es heimelt. Auch in der Küche. Holzgetäfelt umfängt sie Besucher mit einladendem Flair. Kochen können die Gäste auf einem Gasherd oder auf einem Grundofen im selben Raum.
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