Ein alpenländisches Instrument, das jeder sofort spielen kann – ganz ohne musikalische Vorkenntnisse: Das war die Vision von Martin Kern, als er das Klangbrett erfand. Es ist eine Art Hackbrett, das mit den Fingern gezupft wird. Mehrmals jährlich bietet er Interessierten die Möglichkeit, sich ihr Klangbrett in Kursen selbst zu bauen. So entsteht eine besondere Beziehung zum eigenen Instrument.

Text:  Christian Mörken

Es ist noch recht früh am Morgen, als ich meinen Wagen in Eschach parke. Das kleine Dorf gehört zur Gemeinde Buchenberg und liegt auf zirka 1000 Metern Höhe. Bei gutem Wetter hat man hier ein traumhaftes Panorama von der Zugspitze bis zum Säntis. Doch obwohl das Wetter mir heute genau diesen Blick bietet, muss ich nach wenigen Minuten diesen Genuss für die Augen beenden und mich dem eigentlichen Anlass meines Besuches zuwenden.
Kurz darauf öffne ich die Eingangstür der Schreinerei Mayr. Im Inneren ist es kaum wärmer als draußen, dafür zieht mir sofort der Geruch frischen Holzes in die Nase. Noch bevor ich mich in der Werkstatt umsehen kann, eilt ein stämmiger Mann mit Vollbart und Brille auf mich zu. Es ist Martin Kern, Musiklehrer,  Komponist, Sozialpädagoge und musikalischer Visionär aus Buchenberg. Ein kräftiger Händedruck zur Begrüßung, dann deutet er auf einen großen Arbeitstisch, um den die anderen Teilnehmer des Kurses versammelt stehen. Nach einer schnellen Vorstellungsrunde geht es los.


Vor uns auf dem Tisch liegen einige Stücke Buchen- und Ahornholz, die bereits zugeschnitten sind. Martin Kern greift behände nach den einzelnen Stücken, legt sie zusammen, tunkt anschließend einen bereitliegenden Pinsel in einen Topf mit Leim und beginnt die Kanten damit zu bestreichen. Während wir anderen ihm dabei noch etwas unentschlossen zuschauen, beginnen Schreinermeister Helmut Mayr und Martin Kerns Sohn David, uns zu helfen. Unter ihrer fachkundigen Anleitung fangen auch wir vorsichtig an, unsere Stücke miteinander zu verbinden. Noch fällt es schwer, in den einzelnen Holzteilen das spätere Klangbrett zu erkennen.
Nachdem alle Teile verleimt sind, spannen wir alles mit Schraubzwingen fest. Nach kurzer Zeit ragen überall in der Werkstatt rote Schraubzwingengriffe in die Höhe. Nun heißt es erst einmal warten. Martin Kern nutzt die Zeit, um uns einige Stücke auf dem Klangbrett vorzuspielen und uns selbst spielen zu lassen. Manchem wird erst jetzt bewusst, wie genial die Idee von Martin Kern ist, denn das Klangbrett kann wirklich jeder sofort spielen. Dabei ist das Prinzip simpel. Über den hölzernen Klangkörper mit Schallloch werden 22 Saiten gespannt. Anders jedoch als das Hackbrett, wird das Klangbrett einfach mit den Fingern gezupft. Die wirkliche Besonderheit sind dabei aber die Spielvorlagen, auf denen die Stücke notiert sind. Diese werden einfach unter die Saiten geschoben. Anschließend muss der Spielende nur noch von links nach rechts die Saiten zupfen, unter denen die Noten angezeigt sind und schon erklingt das Lied. Einfacher geht es nicht.

 (Die gesamte Reportage können Sie in der Print-Ausgabe lesen).

 

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