Auf dem Nebelhorn lockt ein neues Gipfelrestaurant mit interessanter Architektur. Das Gebäude schmiegt sich an die runden und weichen Formen der Berge an. Unser Magazin nimmt mit vier Models im Schlepptau den Aufzug nach oben.

Text:  Freddy Schissler
Fotos: Ralph Lienert

Es ist ein trüber Tag in der südlichsten Gemeinde des Landes. Nebelschwaden, bescheidene Temperaturen, die sowohl das Tragen von Mütze als auch von Handschuhen empfehlen, meist ernste Gesichter, in die jener blickt, der an diesem Vormittag durch Oberstdorf läuft. Ein Tag für Indoor-Aktionen, für Wellness-Stunden – oder einer, um den Aufzug zum Himmel zu nehmen. Vielleicht ist es ja dort schöner.

Wir versuchen unser Glück und schlagen den Weg zur Talstation der Nebelhornbahn ein. Sie soll uns ganz nach oben bringen, auf 2224 Meter Höhe. Dorthin, wo die neue Gipfelstation eröffnet und gesegnet wurde; wo die höchst gelegene Gastronomie im Allgäu zu Kaffee und Kuchen und auch zu herzhaften Speisen einlädt; wo der Gast ein grandioses Alpenpanorama mit bis zu 400 Bergspitzen bestaunen darf. Vielleicht haben wir ja Glück und dort oben scheint an diesem Tag die Sonne.

Zugegeben, wir wollen uns nicht alleine aufs Glück verlassen, sondern schauen auf die Webcam des Nebelhorns, die uns in unserer Absicht bestärkt. Immerhin ruft die Arbeit, wenn das Team von Griaß di‘ Allgäu in die Bahn einsteigt: Die neue Architektur der Gipfelstation muss unter die Lupe genommen und eine Fotoserie davon „geschossen“ werden. Da sollte das Wetter stimmen. Vier Models, zwei Frauen und zwei Männer, haben sich sechs Stunden Zeit genommen für unser Magazin, und Fotograf Ralf Lienert wird ihnen schon kurze Zeit später wenig Zeit lassen zum Verschnaufen, sondern sie von der Bank auf der Terrasse an den Hochtisch im Inneren des Restaurants jagen, vom Nordwandsteig zum Gipfelkreuz, vom Tunnel wieder auf die Terrasse.

Es kommt, wie uns die Webcam prophezeit hat: Die Station Seealpe (1280 Meter) verschwindet noch in den Wolken, auf Höhe des Höfatsblicks (1932 Meter) wird’s aber schon besser und nur wenige Sekunden später auf diesem letzten Abschnitt unserer Fahrt aufs Nebelhorn durchstoßen wir die dichte Wolkenwand.

Adieu Tristesse und Willkommen im Allgäuer Wunderland.

Die Sonne scheint, die Menschen in der Kabine der Bergbahn lächeln, der Schnee hier oben funkelt. Es ist jene Erfahrung wie nach dem Abheben eines Flugzeugs, die wir gerade machen, wenn es Sekunde für Sekunde an Höhe gewinnt und irgendwann durch die Wolken hindurchschwebt, die fortan unter einem liegen wie eine riesige flauschige Daunendecke, auf die man springen will. Das sind Momente, die sich ins Gedächtnis eingraben.

Nach dem Aussteigen aus der Kabine muss dieser stille Augenblick erlaubt sein: tief einatmen, den Blick schweifen lassen, dann die Augen schließen – und einfach nur genießen. Zum Beispiel die Temperatur, denn plötzlich wird’s warm unter der Mütze, und auch die Handschuhe finden sogleich ihren Platz im Rucksack. Hier oben ist an diesem Tag eine andere Welt – auch klimatisch. Natürlich lächelt der Fotograf, denn für ihn ist auf 2224 Meter das, was seine Spezies einen Premiumtag nennt: gute Voraussetzungen, um den Berggipfel und das Drumherum in bestem Licht erscheinen zu lassen.

Das neue Gipfelrestaurant am Nebelhorn. Alles im Leben ist im Fluss, an dieser Binsenweisheit kommt man selbst in den Bergen nicht vorbei. Weshalb die urigen alten Hütten immer mehr von der Bildfläche verschwinden, weil der Zahn der Zeit an der Bausubstanz nagt. In der letzten Ausgabe unseres Magazins hatten wir vom Neubau des Waltenbergerhauses erzählt, der ältesten Alpenvereinshütte im Allgäu. Hier nun soll von der Architektur und Funktionalität jener Gastronomie die Rede sein, die zum Verweilen auf dem Nebelhorn einlädt. Es sind nur wenige Meter von der Bergstation zur Terrasse des Restaurants. Schon dort wird deutlich, was Bauherr und Architekt wichtig war. In der Welt der Natur und Berge mit ihren runden, weichen Formen kann Eckiges, um mit der Sprache ein bisschen zu spielen, nur anecken. Und so blickt das Auge vor allem auf Geschwungenes, das Natürlichkeit und Harmonie ausstrahlt – und auch ein Maß an Eleganz…

 (Die gesamte Reportage können Sie in der Print-Ausgabe lesen).

 

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